Welches ist das beliebteste Online Casino in Deutschland? Eine eindeutige Antwort liefert der Markt nicht. Laut einem aktuellen Marktbericht werben in diesem Jahr 347 aktive Marken um deutsche Spielerinnen und Spieler, und jedes legale Angebot arbeitet unter denselben Vorgaben der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL).
Beliebtheit hat damit einen festen Rahmen. Wer in Deutschland legal virtuelle Automatenspiele oder Online-Poker anbietet, muss an das Sperrsystem OASIS und an das Aufsichtssystem LUGAS angeschlossen sein, ein monatliches Einzahlungslimit von standardmäßig 1.000 € beachten und den Einsatz an Slots pro Dreh begrenzen.
Die folgenden Abschnitte ordnen ein, was Marktzahlen über Popularität aussagen. Sie beschreiben die Pflichten der Anbieter und die Änderungen, die nach Berichten zum 1. Juli dieses Jahres in Kraft treten.
Wie groß ist der Markt, um den die Anbieter konkurrieren?
Der legale Glücksspielmarkt in Deutschland erzielte im vergangenen Jahr einen Bruttospielertrag von 14,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich wird häufig die deutsche Games-Branche herangezogen, die im selben Zeitraum auf rund 9,4 Milliarden Euro Umsatz kam und damit um 4 Prozent wuchs.
Online-Slots machen davon einen kleineren Anteil aus. Nach den vorliegenden Marktdaten erreichte das Segment im vergangenen Jahr einen Umsatz von 543 Millionen Euro, was einem Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Die Einsätze lagen deutlich höher. Im Segment der Online-Slots summierten sie sich im vergangenen Jahr auf 4,6 Milliarden Euro, wobei der Umsatz der Anbieter nur den Teil darstellt, der nach Abzug der ausgezahlten Gewinne übrig bleibt.
Bei 347 aktiven Marken verteilt sich dieses Volumen auf viele Wettbewerber. Aus Gesamtzahlen allein lässt sich deshalb kein einzelner Marktführer ableiten, und die Frage nach dem beliebtesten Anbieter führt schnell zu den Regeln, die für alle gleich gelten.
Welche Regeln gelten für jedes legale Angebot?
Den Rahmen setzt der Glücksspielstaatsvertrag. Er trat am 1. Juli vor fünf Jahren in Kraft und ordnete das Online-Glücksspiel in Deutschland neu, nachdem es zuvor über Jahre keine einheitliche bundesweite Erlaubnis für virtuelle Automatenspiele gegeben hatte.
Seit drei Jahren ist die GGL bundesweit für die Durchsetzung zuständig. Die Behörde mit Sitz in Sachsen-Anhalt überwacht die Einhaltung der Vorgaben und geht gegen Angebote ohne Erlaubnis vor.
Erlaubt sind unter dem aktuellen Lizenzrahmen virtuelle Automatenspiele und Online-Poker. Live-Tische mit Croupiers, wie sie viele Kundinnen und Kunden aus internationalen Angeboten kennen, gehören bei einer rein deutschen Lizenz nicht zum Programm.
Im deutschen Sprachgebrauch hat sich für regulierte Slot-Plattformen der Begriff „Online Spielotheken“ durchgesetzt. Er ist kein geschützter Name, sondern eine gängige Bezeichnung, die in Werbung, Foren und Presseberichten gleichermaßen auftaucht.
Die Lizenzfrage hat für Spielende eine rechtliche Seite. Die Teilnahme an unerlaubtem Glücksspiel kann nach § 285 StGB strafbar sein, und zwar unabhängig davon, ob ein Angebot in deutscher Sprache auftritt oder mit Euro-Preisen wirbt.
Was leisten OASIS und LUGAS im Hintergrund?
Jeder lizenzierte Anbieter muss an OASIS angeschlossen sein. Das Sperrsystem prüft vor Spielbeginn, ob eine Person sich selbst hat sperren lassen oder aus anderen Gründen von der Teilnahme ausgeschlossen ist, und blockiert in diesem Fall den Zugang zum Spiel.
Eine Sperre wirkt damit nicht nur bei einer einzelnen Marke. Wer sich über OASIS ausschließen lässt, kommt bei keinem angeschlossenen Anbieter mehr an die Automaten, egal wie viele Konten er eröffnen möchte.
Das zweite System heißt LUGAS, ausgeschrieben Länderübergreifendes Glücksspielaufsichtssystem. Es überwacht Einzahlungen und Einsätze über die Grenzen einzelner Anbieter hinweg und erfasst darüber hinaus die laufende Spielaktivität der registrierten Kundschaft.
Für Spielende hat das eine praktische Folge. Ein neues Konto bei einer weiteren Marke setzt die LUGAS-Limits nicht zurück, denn das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 € gilt anbieterübergreifend und wird im Alltag schlicht „Einzahlungslimit“ genannt.
Ganz starr ist diese Grenze nicht. Berichten aus diesem Jahr zufolge kann das Limit in bestimmten Fällen angehoben werden, genannt werden Erhöhungen auf bis zu 10.000 € oder sogar 30.000 € pro Monat, jeweils unter festgelegten Voraussetzungen.
Die Anhebung erfolgt nicht automatisch. Nach den vorliegenden Berichten hängt sie von Bedingungen ab, die der Anbieter prüfen muss, bevor er ein höheres Limit an das System meldet.
Was ändert sich beim 1-Euro-Limit ab dem 1. Juli?
Beim Automatenspiel gilt eine feste Obergrenze. Der Standardeinsatz lag laut Berichten aus diesem Jahr bei höchstens 1 € pro Dreh, in Foren und Vergleichsportalen meist als „1-Euro-Limit“ bezeichnet.
Dazu kommt die 5-Sekunden-Regel bei Slots. Sie legt fest, dass ein einzelnes Spiel nicht schneller als in fünf Sekunden ablaufen darf, was die Zahl der möglichen Drehs pro Stunde begrenzt und Autoplay-Funktionen mit hohem Tempo ausschließt.
Zum 1. Juli lockert die GGL diese Vorgabe nach übereinstimmenden Berichten in Stufen. Die Behörde lässt demnach eine gestaffelte Abweichung vom 1-Euro-Limit bis zu einem Einsatz von 5 € pro Dreh zu, gebunden an weitere Bedingungen.
Die erste Stufe betrifft das Alter. Spielerinnen und Spieler ab 21 Jahren sollen den Berichten zufolge ab dem 1. Juli automatisch ein Limit von 3 € pro Dreh erhalten, ohne dafür einen gesonderten Antrag stellen zu müssen.
Für die höchste Stufe gelten strengere Vorgaben. Das Limit von 5 € pro Dreh setzt nach den Berichten eine Qualifikationsphase von 90 Tagen voraus, in der kein auffälliges Spielverhalten registriert werden darf.
Wie Anbieter diese Stufen technisch umsetzen, bleibt ihre Aufgabe. Die Grenzwerte selbst legt die Behörde fest, und sie gelten für jede Marke mit deutscher Erlaubnis in gleicher Höhe.
Woran machen Spielende die Beliebtheit eines Anbieters fest?
Bei identischen Limits rücken andere Punkte in den Vordergrund. Dazu gehören die Auswahl an Slot-Titeln, die Gestaltung der Konten und die Frage, welche Zahlungswege ein Anbieter akzeptiert.
Bei den Zahlungsmethoden liegen in Deutschland Giropay und Paysafecard vorn. Dahinter folgen Sofort/Klarna und die Kreditkarte, wobei jeder Anbieter selbst festlegt, welche dieser Methoden er für Einzahlungen und Auszahlungen anbietet.
Das Einzahlungslimit greift unabhängig vom Zahlungsweg. Eine Einzahlung per Paysafecard zählt für LUGAS ebenso zum Monatsbetrag wie eine Überweisung über Giropay oder eine Zahlung mit Kreditkarte.
Über die Lizenz entscheidet nicht der Auftritt einer Seite. Ob eine Marke, auf die man über Werbung oder Suchmaschinen stößt, etwa Candyspinz, zu den Anbietern mit deutscher Erlaubnis gehört, lässt sich nur über die Lizenzangaben im Impressum und die Angaben der GGL klären.
Ein Hinweis darauf ist die Anbindung an die beiden Aufsichtssysteme. Anbieter mit deutscher Erlaubnis fragen vor dem ersten Spiel die OASIS-Sperrdatei ab und melden Einzahlungen an LUGAS, was sich für Kundinnen und Kunden etwa an der Abfrage des Monatslimits bei der Registrierung zeigt.
Die Sperrfunktion steht allen offen. Wer eine Pause braucht, kann sich über OASIS sperren lassen, und die Sperre gilt dann bei allen angeschlossenen Anbietern gleichzeitig!
Die Marktzahlen deuten auf wachsende Nachfrage hin. Bei 347 Marken, einem Umsatz von 543 Millionen Euro im Slot-Segment und einheitlichen Limits für alle lizenzierten Plattformen messen viele Spielende die Beliebtheit eines Angebots weniger an der Höhe möglicher Einsätze als an Spielauswahl, Zahlungswegen und der Bedienung des Kontos.
Für die kommenden Monate richtet sich der Blick der Branche auf den 1. Juli. Ab diesem Datum zeigt sich nach den bisherigen Berichten, wie viele Spielerinnen und Spieler die neuen Stufen von 3 € und 5 € pro Dreh erreichen und wie die GGL die Einhaltung der weiteren Bedingungen überprüft.