Glücksspiel-Livestreams: Warum Millionen zuschauen und welche Risiken dabei entstehen

Abend für Abend verfolgen weltweit Millionen von Menschen, wie Influencer Spielautomaten drehen, Jackpots jagen und emotionale Hochs und Tiefs bei Gewinnen und Verlusten durchleben. In den Chatfenstern explodieren Emojis, Anfeuerungen und Bitten um „noch eine Runde". Doch hinter den grellen Grafiken und charismatischen Streamern verbirgt sich ein komplexes Geflecht aus psychologischen Mechanismen, parasozialen Beziehungen und normalisiertem Risikoverhalten – ein Phänomen, das neue Forschungsergebnisse nun genauer unter die Lupe nehmen.

Eine aktuelle Studie meiner Kolleginnen, Kollegen und mir zeigt, wie Glücksspiel-Livestreams die Online-Wettlandschaft grundlegend verändern. Plattformen wie Twitch beherbergten lange Zeit große Mengen solcher Inhalte, bevor sie 2022 teilweise Einschränkungen einführten. Die Streams verschwanden jedoch nicht – sie wanderten auf neuere, weniger regulierte Plattformen ab. Besonders https://mrpacho-deu.de/ veranschaulicht, wie solche Angebote im digitalen Raum zugänglich bleiben. Plattformen wie Kick, die für Glücksspielinhalte bekannt geworden sind, verzeichnen ein Publikum, das zu rund 60 Prozent aus 18- bis 34-Jährigen besteht – eine Altersgruppe, die sich in einem besonders empfänglichen Lebensabschnitt befindet.

Das Geschäftsmodell dahinter ist äußerst lukrativ. Bekannte Streamer – darunter auch Prominente wie der Musiker Drake – werden häufig von Glücksspielanbietern bezahlt, um sich beim Zocken zeigen zu lassen, manchmal sogar mit dem Geld der Anbieter statt mit ihrem eigenen. Zusätzliche Einnahmen entstehen durch Affiliate-Links, die Zuschauer direkt zu Wettseiten führen. Was wie Unterhaltung wirkt, ist in Wirklichkeit Werbung – jedoch in einer Form, die weit wirkungsvoller ist als klassische Formate.

Was die Forschung aufdeckt

Da es bislang keine empirischen Untersuchungen zu diesem Thema im Vereinigten Königreich gab, befragten wir 15 junge Erwachsene, die regelmäßig Glücksspiel-Livestreams konsumierten. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche psychologischen Anziehungskräfte diese Streams entfalten, welche Mechanismen dabei zum Einsatz kommen und welche Schäden die Befragten bei sich selbst beobachteten. Die Ergebnisse zeichnen ein Bild sophistizierter Manipulation, die mit echtem Unterhaltungswert verknüpft ist.

Viele Teilnehmende beschrieben enge emotionale Bindungen zu bestimmten Streamern, die sie plattformübergreifend verfolgten wie Freunde. Der Einstieg erfolgte häufig über Streams ohne Glücksspielbezug – etwa Gaming-Inhalte – bevor die betreffenden Streamer zu Glücksspielinhalten wechselten und ihre Zuschauer mitnahmen. Besonders faszinierend waren für die meisten Befragten die schwindelerregenden Geldsummen, die in einer einzigen Nacht verspielt wurden – teils mehr als ein Zuschauer im gesamten Jahr verdient. Wer die MrPacho spiele kennt, versteht, wie attraktiv solche Spielformate für ein breites Publikum sein können. Das gemeinsame Erleben dieser extremen Momente schuf unter den Zuschauern ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Besonders besorgniserregend war ein Phänomen, das als „Drang-Paradoxon" bekannt ist: Viele Befragte begannen damit, Streams als scheinbar sicherere Alternative zum eigenen Glücksspiel zu nutzen – in der Hoffnung, ihre Impulse stellvertretend zu befriedigen. Stattdessen berichteten sie von verstärkten Spielgelüsten und gesteigertem Geldeinsatz im echten Leben.

Regulierung hinkt hinterher

In Großbritannien kämpfen Hunderttausende mit Glücksspielsucht, wobei junge Erwachsene eine besonders gefährdete Gruppe darstellen. Klassische Glücksspielwerbung unterliegt strengen Vorschriften – Livestreams hingegen existieren in einem regulatorischen Vakuum. Sie sind keine 30-sekündigen Werbespots, sondern mehrstündige, immersive Erlebnisse, die Vertrauen aufbauen, Gemeinschaft erzeugen und riskantes Verhalten als normal erscheinen lassen.

Die Altersverifikation auf Streaming-Plattformen ist dabei häufig unzureichend. Mehrere Studienteilnehmende berichteten, Kinder in den Chatfenstern gesehen zu haben, und beschrieben Registrierungsprozesse, die kaum mehr erforderten als das Anklicken einer Bestätigung. Obwohl die Befragten die Mechanismen hinter den Streams durchschauten – darunter den Einsatz von Betreibergeldern und Einnahmen durch Affiliate-Links –, beeinflussten diese Inhalte ihr Verhalten dennoch erheblich.

Einige Länder reagieren bereits: Deutschland hat Glücksspielwerbung durch Streamer seit 2024 vollständig verboten, während das Vereinigte Königreich Influencer-Marketing gegenüber Minderjährigen eingeschränkt hat. Doch die Durchsetzung bleibt lückenhaft, da Inhalte einfach auf weniger regulierte Plattformen ausweichen. Politische Entscheidungsträger müssen Livestreams als das behandeln, was sie tatsächlich sind: mächtige Werbeinstrumente. Verbindliche Offenlegungspflichten, robuste Alterskontrollen und grenzüberschreitende Durchsetzungsmechanismen sind dringend notwendig. Ohne ein umfassendes Regelwerk wird die Grenze zwischen Unterhaltung und Ausbeutung weiter verschwimmen.